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Perlen Geschichte



Kein funkelnder Edelstein, kein glitzerndes Geschmeide hat die Menschheit seit Jahrhunderten so fasziniert und bezaubert wie die sanft schimmernde Perle. Sie ist ein vollendetes Juwel der Natur, bedarf keiner Veredelung und unterscheidet sich dadurch von allen anderen Edelsteinen. Die Perle ist uralt und jung zugleich. Sie hat tausend Moden durch- und überlebt und ist und bleibt für jede Generation "trendig", elegant und edel. 


Seit frühsten Zeiten zählen Perlen zu den begehrtesten und kostbarsten Kleinodien der Menschheit. Ihr Wert wurde noch gesteigert durch ihre Seltenheit und die gefahrvollen Arbeiten, die mit ihrer Gewinnung aus den Tiefen des Meeres verbunden waren.

Die Perle.........Insigne der Macht wie auch Symbol für Wohlstand und Prestige, schmückte seit jeher weltliche und geistliche Herrrscher, Kaiser und Königinnen, Mächtige und Reiche. Eng verflochten mit der Entwicklung der Menschheit, lässt sich die Geschichte der Perle bis in unsere Zeit verfolgen.   


Kaiserin Xiau Xianchun (1712 - 1748), erste Frau des Kaisers Quian-Long
Mit grosser Perlenkette, Perlenschmuck und perlenbesetzter Winterkrone


Schon vor vielen Jahrtausenden wurden im fernen China Perlenmuscheln in Flüssen und an der südlichen Meeresküste gefischt.

Erstmals findet sich das Idiogramm "Perle" in einem Wörterbuch aus dem Jahr 1000 v. Chr.. Die chinesische Literatur erwähnt auch Perlenvorkommen in Japan. Die Fischer, die sie dort fanden, betrachteten sie als hübsche, aber wertlose Spielerei. Erst als chinesische Händler hohe Preise
für die "Steine der Muscheln" boten, lernten die Bewohner von Japan die Perle schätzen.

Seit der Antike waren drei Perlengebiete des Orients für ihre Ergiebigkeit berühmt:

- im Golf von Mannar (zwischen Sri Lanka und dem Süden Indiens)
- im Persischen Golf
- im Roten Meer

Die Perlenfischerei im Golf von Mannar gilt als die älteste dieser drei Regionen. Dieses Gebiet wird im 6. Jahrhundert v. Chr. erstmals schriftlich erwähnt. Die üppigen Perlenschnüre, mit denen sich Mogul-Herrscher und Maharadschas von Kopf bis Fuss zu schmücken pflegten, zeugen noch heute vom Reichtum der dortigen Perlenfischereien und vom märchenhaften Glanz und Aufstieg der indischen Herrscherhäuser.

Jahrhundertelang stritten und kämpften indische, persische und arabische Fürsten um die Herrschaft über die Perlenbänke, die Jahr für Jahr sagenhafte Schätze hervorbrachten.

1510 begann mit der Eroberung der Portugiesen ein neues Kapitel: Die Europäische Kolonial-herrschaft. - Auf die Portugiesen folgten die Holländer und Ende des 18. Jahrhunderts gliederten schliesslich die Engländer Indien und seine Perlenbänke in ihr Kolonialreich ein.   
 



Ein Halsschmuck aus dem 18. Jahrhundert aus dem Mogul-Reich in Indien
mit Gold, Diamanten und Perlen


Bis in das 20. Jahrhundert waren Perlen der dominierende Wirtschaftsfaktor der gesamten Golf-Region. 1938 lebten noch 20 Prozent der Bevölkerung von Perlen. Dann wurde ein anderer Schatz gefunden: Oel! - Die Perlenfischerei verlor rasch an Bedeutung zugunsten des "schwarzen Goldes".
 
Auch in der dritten wichtigen Perlenregion, dem Roten Meer, begann man bereits lange vor Christi Geburt nach Perlen zu tauchen. Im Gegegensatz zu den indischen und persischen Perlenfische-reien standen die Austernbänke des Roten Meeres nie unter einheitlicher Kontrolle. Die Perlen-taucher gingen ungestört und frei ihrer Arbeit nach. Allerdings fanden sie nie so viele Perlen wie ihre indischen und persischen Kollegen.

Das Perlenzentrum des Roten Meeres war die Stadt Massaona. Dort verkauften die Perlenfischer ihre Ernte an indische Händler. Ein zweites wichtiges Handelsgut der Region war Perlmutt, das hauptsächlich nach Europa verschifft wurde.

Die ersten, die die Bewohner des Mittelmeerraumes mit Perlen bekannt machten, waren die Phönizier, die frühen Seefahrer, die schon im zweiten vorschristlichen Jahrtausend Handels-beziehungen bis nach Indien unterhielten.

Vor allem die Griechen entwickelten eine grosse Vorliebe für die damals noch seltenen Perlen. Sie schmückten damit die Statuen ihrer Göttinnen. Griechische Damen trugen ihre Perlen gerne als Ohrringe; die Männer befestigten sie nur am rechten Ohr, eine Sitte, die höchstwahrscheinlich von den Persern übernommen worden war. Der eigentliche Siegeszug der Perle in unsere Breitengrade begann durch die Feldzüge von Alexander dem Grossen, 356 - 323 v. Chr., welcher die antike Welt veränderte und Orient und Okzident miteinander verband.

Alexandria, im heutigen Aegypten, wandelte sich zu einer der bedeutendsten Handelsstädte im Mittelmeerraum und brachte Kaufleute aus Indien, Persien und Arabien ans Nil-Delta. Sie boten in Riesenmengen Perlen aller Grössen feil.

Durch die Eroberungen der Römer am Nil und der Herrschaft von Alexandria, bekamen diese Zugriff zu den reichen Perlenschätzen der Stadt. - Doch damit nicht genug! - Augustus eroberte auf seinen weiten Feldzügen das Rote Meer und dessen immense Perlenfelder. - Die Stadt Rom verfiel in einen wahren Perlentaumel.

Die schönsten und teuersten Perlen besassen naturgemäss nur die Allermächtigsten, die Impera-toren. So zum Beispiel Kaiser Caligula, der nur auf perlenbesticktem Schuhwerk durch die Gassen wandelte und auch seine Haus- und Hoftiere gerne perlenverziert sah.

Sein Lieblingspferd, Incitatus, das bekanntlich auch als Regierungsmitglied fungierte, erhielt zu seinem Amtsantritt körbeweise Perlenketten. Auch Caligula's Gattin, Lolitta Paulina, erschien zu Banketten vom Scheitel bis zum Fuss in von Perlen und Smaragden gehüllten Roben.

Die berühmtesten Perlen der Antike waren jene, die Cleopatra als Ohrgehänge trug. Jede der beiden tropfenförmigen Präziosen, so die Ueberlieferung, waren so wertvoll wie eine Provinz in Asien. 



Alexander der Grosse (356 - 323 v. Chr)
Seine Eroberungszüge in den Orient ebneten der Perle die Wegen zu den abendländischen Kulturen


Die Perle heute

Bis heute hat die Perle keine Einbusse an Attraktivität erlitten und gilt nach wie vor als "object of desire". Modezaren integrieren sie als wichtigen Bestandteil in ihre Kollektionen, Filmstars und Prominenz stellen sie in ihren üppigen Roben zur Schau und gar Wirtschaftsministerinnen und Präsidentinnen dieser Welt treten nie ohne ein luxuriöses Perlen-Collier ins Blitzlichtgewitter der Fotografen und der Oeffentlichkeit.

Nie hat die Perle die moderne Frau so gut repräsentiert wie heute. Sie umspielt ihre Trägerin mit Schönheit, kühler Noblesse und einem Hauch von Luxus. Sie ist Ueppigkeit und Schlichtheit in einem. - Die Perle eignet sich für gemütliche Abende in kleinem Rahmen als auch für grosse, repräsentative Auftritte.