Jeder berühmte Stein durchlebte eine lange und grosse Vergangenheit, die von Geschichten, Ueberlieferungen und Sagen umwoben ist. Meist wanderte er durch viele Hände, Länder, überstand Kriege und Nöte, bis er schliesslich seinen heutigen Platz einnehmen konnte.
Golden Jubilee
Der "Golden Jubilee" (Goldenes Jubiläum) ist mit 546,67 Karat der grösste geschliffene Diamant der Welt. Als Rohdiamant wurde mit 755.50 Karat 1986 in der "Premier"-Mine in Südafrika gefunden. Diese Mine gehört zum De Beers Imperium.
Der gelblich-braune Stein wurde vom hervorragenden Schleifer, Gabi Tolkowsky geschliffen. 1995 wurde Golden Jubilee erstmals der Oeffentlichkeit gezeigt. Thailändische Geschäftsleute erwarben das edle Stück und schenkten es ihrem König zum 50. Thronjubiläum.
Cullinan
Der Cullinan wurde als Rohdiamant von 3025,75 Karat im Premier-Diamantfeld in Südafrika gefunden und gilt bei weitem als grösster Diamant der Welt.
Schon kurz nach seiner Entdeckung wurde der Diamant mit aussergewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen nach England überführt. Die Regierung von Transvaal hatte den Diamanten 1907 von der "Premier Mine Company" (Besitzerin war De Beers Ltd.) erworben und ihn König Edward VII, nach dem verlorenen Burenkrieg, als Geste des Wiedergutmachens zum Geburtstag geschenkt.
Der Cullinan-Diamant Cullinan I mit 520,2 Karat
1908 wurde der Diamant in Amsterdam bei Edward Joseph Asscher geschliffen. Gleich beim ersten Spaltversuch brach das Stahlmesser. Der zweite Versuch war erfolgreich und die beiden grössten Diamanten, Cullinan I und Cullinan II, wurden dem König am 21. November 1908 präsentiert. Der riesige Rohdiamant lieferte noch weitere sieben Steine (Cullinan III - IX) sowie weitere 96 Diamant-splitter und Fragmente mit einem Gewicht von 9 Karat, die fast alle der holländischen Diamant-schleiferei Asscher zur Zahlung überlassen wurden.
Cullinan I, 520,2 Karat im Zepter der britischen Kronjuwelen
Der Stein ist im Zepter des Herrschers mit Kreuz eingesetzt (Kronjuwelen von England). König Edward VII erwarb zu einem späteren Zeitpunkt Cullinan VI von Asscher, Amsterdam als Geschenk für Königin Alexandra.
Königin Maria erhielt 1911 als Schenkung von der Regierung in Transvaal die restlichen Diamanten, die diese bei Asscher zurück erworben hatte.
Cullinan I wurde in das Zepter des Herrschers (Bild oben) und Cullinan II in das Stirnkreuz der Staatskrone (Bild unten) eingelassen. Die übrigen Brillanten sind im Privatbesitz der Königin.
Cullinan II, 371,4 Karat Er ist der zweitgrösste Brillant der Welt
Koh-I-Noor (Kohinur-Diamant)
Koh-I-Noor heisst so viel wie "Berg des Lichtes".
Die Vergangenheit von Kohinur ist sehr undurchsichtig und sagenumwoben. Es ist möglich, dass der Diamant dem ersten Grossmogul, Babur, von Indien gehörte, der im frühen 16. Jahrhundert den Stein als wertvoll genug beschrieb, "um für die Hälfte der täglichen Kosten der ganzen Welt" aufzukom-men. Später könnte er einem Nachkommen Baburs, Jehan Shah Dschahan, dem Erbauer des Taj Mahal, gehört haben.
Der Diamant soll seinen Namen angeblich nach der Schlacht von Karnal erhalten haben, in welcher Schah Nadir von Persien den Grossmogul von Indien geschlagen hatte. Schah Nadir schlug vor mit dem Verlierer der Schlacht, als Zeichen guten Willens, die Turbane zu tauschen, im Wissen, dass sein Gegner einen Diamanten von sagenhafter Grösse in den Falten seiner Kopfbe-deckung trug. Als Schah Nadir den Turban seines Gegners öffnete, rollte tatsächlich der Diamant heraus, was den Schah veranlasste "Kohinur" (Berg des Lichtes) auszurufen.
Kohinur kam durch Missgeschicke und Eroberungen in den Besitz verschiedener Herrscher. Im 19. Jahrhundert fiel er in die Hände des Maharadschas von Pandschab. Nach der Annexion dieser nordindischen Region durch die Briten, 1849, wurde der Vertrag von Lahore unterzeichnet. Darin wurde vereinbart, dass der Edelstein mit dem Namen "Koh-I-Noor" an die britische Königin ausgehändigt werden muss.
Die Krone von Königin Elisabeth
Das Stirnkreuz ist durch den legendären Kohinur geschmückt
Hope
Der "Hope-Diamant" ist einerseits durch seine ungewohnt blaue Farbe, andererseits durch den Ruf, seinem Besitzer Unglück zu bringen, berühmt geworden.
Jean-Baptise Tavernier, ein Hof-Juwelier von Louis XIV, verkaufte 1668 den ausser-gewöhnlichen Diamanten seinem König. Tavernier selbst hatte damals den rund 112 karätigen Edelstein aus Indien mitgebracht. - Es wird erzählt, dass der Diamant aus einer indischen Gottesstatue entfernt worden war. Erzürnt über diesen Raub soll die Gottheit den Stein mit dem Fluch behaftet haben, dass jedem künftigen Träger oder Besitzer, Unglück widerfahren soll.
Der "Hope-Diamant" mit 112 Karat
Er soll dem jeweiligen Besitzer grosses Unglück gebracht haben
Louis XIV selbst war vom blauen Diamanten derart fasziniert, dass er ihn "den blauen Krondiamanten" nannte. Auf seinen Wunsch hin wurde der Schmuckstein unter beachtlichem Gewichtsverlust neu in Herzform geschliffen. Der Edelstein wurde innerhalb der französischen Königsfamilie weitervererbt.
Seine Spur verlor sich während der französischen Revolution (1789 - 1794). Erst Jahre später, tauchte er an einer Londoner Auktion wieder auf. Dieses Mal in Form eines oval-runden blauen Diamanten von 44,52 Karat. Der Bankier Henry Philip Hope ersteigerte ihn 1830 und verlieh dem Schmuckstein seinen neuen Namen.
Der Diamant soll auch der Familie Hope verschiedentlich Unglück gebracht haben. Ein Erbe Hopes verkaufte ihn letztendlich um einem Bankrott zu entgehen.
Der Hope-Diamant soll weiteres Unheil über die nachfolgenden Besitzer gebracht haben:
1911 erwarb der amerikanische Zeitungsverleger Edward McLean von Cartier das edle Stück. Seine Frau, Eveyln Walsh McLean, liess sich von den Legenden dieses Steins nicht einschüchtern und trug ihn sehr oft. Auch nicht, als ihr Sohn bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam und später ihr Mann, welcher unter den Passagieren der legendären Titanic weilte und das Unglück nicht überlebte.
Nach dem Tod von Evelyn Walsh McLean erwarb Harry Winston den sagenumwobenen Diamanten und vermachte diesen 1958 der Smithsonian Institution in Washington D.C., wo er seither zu besichtigen ist.
Regent
Gemäss Ueberlieferung machte 1701 ein Sklave in einer indischen Partialmine eine ungblaubliche Entdeckung. Er fand einen Rohdiamanten von gewaltiger Grösse: 410 Karat!
Um sich mit seinem Fund unbemerkt aus der Mine stehlen zu können, fügte er sich selbst eine Beinwunde zu, versteckte den Stein im Wundverband und flüchtete an die Küste.
In der Hoffnung den Rohdiamanten gegen Geld und Freiheit eintauschen zu können, vertraute er sich einem Seekapitän an. Dieser willigte in den Handel ein. Doch bald machte sich seine Gier breit. Er tötete den Sklaven und riss den Stein an sich. Wieder an der Küste angelangt, verkaufte der Kapitän den gestohlenen Rohdiamanten an einen Kaufmann.
1702 erwarb Thomas Pitt, damaliger britischer Gouverneur von St. Georges in Madras, den Stein. Zurück in England, liess Pitt den Rohdiamanten zu verschiedenen Steinen schleifen, wobei das Meisterstück, ein 140,50 karätiger kissenförmiger Diamant ist.
Der "Regent"-Diamant
Er begleitete Napoléon auf seinen Siegeszügen
1717 verkaufte Pitt den aussergewöhnlichen Stein an den Herzog von Orléans, dem damaligen Regenten Frankreichs - daher der Name "Regent". Der Diamant gehörte von da an zu den französischen Kronjuwelen und wurde unter anderem von König Louis XV. zu dessen Krönung 1722 getragen.
Während der französischen Revolution (1789 - 1794) wurden die Kronjuwelen gestohlen, darunter auch der "Regent". Er tauchte aber bald wieder auf. Naopléon Bonaparte liess ihn anlässlich seiner Krönung 1804 in seinen Schwertgriff einsetzen und nahm ihn zehn Jahre später sogar mit ins Exil nach Elba.
Seine zweite Frau, Marie Louise, bracht später den Diamanten in ihre Heimat Oesterrreich. Ihr Vater, Kaiser Franz I. von Oesterreich, fand keinen Gefallen an dieser Handlung und schickte den Diamanten zurück nach Paris. - Mit Ausnahme des Regents wurden 1887 die gesamten französischen Kronjuwelen versteigert.
Der Regent ist heute im Musée de Louvre, in Paris, ausgestellt.
Tiffany
Dieser Diamant übt durch seine intensive gelbliche Farbe, als auch durch seine aussergewöhnliche Grösse Faszination aus.
Der Rohdiamant wurde 1878 mit einem Gewicht von 287,42 Karat in der Kimberley-Mine in Südafrika entdeckt und duch den New Yorker Juwelier Tiffany erworben.
Dieser liess ihn zu einem Prachtstück von 128,51 Karat schleifen. Um seine Brillanz zu maximieren, wurde der sogenannte "Kissenschliff" angewendet, der neben Farbe und Grösse eine weitere Besonderheit bewirkt:
Mit insgesamt 90 Facetten weist der Tiffany-Diamant 32 Facetten mehr auf als ein gewöhnlicher Brillant-Schliff.
Der Tiffany Diamant mit 128,51 Karat
Sein Schliff und seine Farbe sind einzigartig
Der bekannte Schmuckdesigner, Jean Schlumberger, integrierte den gelben Diamanten in die Brosche "Bird on a Rock", welche tagtäglich von Besucherscharen bei Tiffany & Co., an der Fith Avenue, in New York bestaunt werden kann.
Sancy
Die Geschichte von Sancy kann bis 1570 zurückverfolgt werden. Seigneur de Sancy, damaliger fanzösischer Botschafter in der Türkei, erwarb den tropfenförmigen Diamanten von 55.0 Karat in Konstantinopel. Sancy beauftragte seinen treuen Boten, den Diamanten nach Frankreich zu bringen. Dieser erreichte den Zielort aber nie, da er während seiner Reise überfallen wurde. Sancy zweifelte niemals an der Loyalität seines Dieners und liess den Leichnam untersuchen. - Mit Erfolg! Es stellte sich heraus, dass der Diener den Diamanten verschluckt hatte, um ihn vor Räubern zu verstecken.
1604 wurde der Diamant an James I. von England verkauft. 40 Jahre später brachte ihn Königin Maria, Ehefrau von König Charles I., wieder nach Frankreich, um während des Bürgerkrieges Geld für die Royalisten zu sammeln.
Der Herzog von Epernon gewährte ihr den gewünschten Kredit, behielt Sancy aber als Sicherheit zurück. Da der Kredit nie zurückbezahlt werden konnte, veräusserte der Herzog den Edelstein an Kardinal Mazarin, dem damaligen Finanzminister von Frankreich. Dieser vermachte Sancy nach seinem Ableben 1661 der französischen Krone.
Während der französischen Revolution verlor sich die Spur des Diamanten. Erst 1828 tauchte er wieder bei einem französischen Juwelier auf. Nachdem er einige Male seinen Besitzer gewechselt hatte, wurde er durch William Waldorf Astor zum Hochzeitsgeschenk an seine Schwiegertochter gemacht. Seither ist der Sancy im Privatbesitz der Familie Astor.
Diamant "Sancy", mit 55.0 Karat
Im Privatbesitz der Familie Astor
Orlow
Einer Sage nach, soll ein französischer Grenadier, der sich in Südinidien als Tempel- schüler ausgab, den Diamanten aus einer Gottesstatue gestohlen haben. Der Edelstein habe bei seiner Entdeckung 300 Karat gewogen. Heute sind es nur noch knapp 190 Karat.
Der "Orlow" ist im klassischen Rosenschliff verarbeitet. Die Merkmale dieses Schliffs sind eine flache, unfacettierte Grundfläche und eine kuppelartige Form, mit dreieckigen Facetten, die in einen Spitz verlaufen.
1774 erwarb Prinz Orlow den Diamanten, um ihn der Kaiserin "Katharina die Grosse" zu schenken, die er sehr verehrte. Diese liess den Orlow ihn ihr Zaren-Zepter einarbeiten, welches heute im Kreml, Moskau, aufbewahrt wird.
Der "Orlow"-Diamant mit knapp 190 Karat
Zepter der Zarin Katharina die Grosse
Centenary
Der Centenary ist "neu" auf der Liste der bekannten, grossen und aussergewöhnlichen Diamanten.
Ein massiver Rohdiamant von 599 Karat wurde zu Ehren des 100-jährigen Firmen- jubliäums von De Beers als "Centenary" bezeichnet. 1986, also 2 Jahre vor dem Jubiläum, wurde er in der "Premier"-Mine in Südafrika entdeckt. Seine irreguläre Form konnte als grosse Herausforderung betreffend Schliff bezeichnet werden. Mit Gaby Tolkowsky wurde 1988 einer der weltbesten Diamantenschleifer mit der Ausführung beauftragt.
Nach monatelanger Planung wurde der Rohdiamant mit grösster Präzision, nach traditioneller Handschleiferkunst, gefertigt. Es kamen keine Maschinen oder elektronische Geräte zum Einsatz. Im darauffolgenden Jahr konnte Centenary mit 247 Facetten und einem Gewicht von 273,85 Karat erstmals der Weltöffentlichkeit vorgestellt werden.
Nicht nur die Dimensionen von 39,30 mm x 50,50 mm x 24,55 mm lösten höchste Bewunderung aus, sondern auch die Qualität des Steines, der die Qualitätsstufe "D" erreichte, das heisst, absolut lupenrein! - Der Wert ist unbezahlbar.
Es wird angenommen, dass der Centenary nach wie vor im Besitz der De Beers Company ist.
Der Centenary Diamant (Bild als Rohdiamant) mit 273,85 Karat, geschliffen
Der Stein ist absolut lupenrein und ist wahrscheinlich im Besitz von De Beers
Schah
Anstelle von vielen Facetten sind es drei Inschriften, die diesen 88,7 Karat schweren Diamanten zieren. Die Inschriften tragen Namen jeweiliger Oberhäupter, der sogenannten Schahs. Der bekannteste unter ihnen ist Jehan Shah - der Erbauer des Taj Mahal. Neben seiner Vorliebe für Architektur war Jehan Shah auch bekannt für seine ausser gewöhn- liche Edelsteinsammlung.
Der Diamant "Schah" wurde 1829 Zar Nikolaus I. geschenkt und wird mittlerweile zusammen mit dem russischen Kronschatz im Kreml in Moskau aufbewahrt.
Der Diamant "Schah" mit 88,7 Karat gehört zum russischen Kronschatz
Wen Diamanten faszinieren, der sollte sich die Mühe nehmen, anlässlich seines nächsten Besuches in London, den Tower of London, mit dem Jewel House, zu besuchen.
Nirgends auf dieser Welt sind auf ein paar Quadratmetern so viele Juwelen und Diamanten mit grosser und sagenumwobener Vergangenheit zu finden. Brillanten, die Jahrhunderte und Generationen überdauern und uns einmal mehr beweisen, wie unvergänglich sie doch sind. Schliffe, die den besten Schleifereien dieser Welt entstammen, in Grössen, die Geschichte schrieben und Karaten, deren Wert nicht in Zahlen zu beziffern ist.
Zu erwähnen ist, dass das Jewel House kein Museum ist, sondern eher als "Tresor" bezeichnet werden kann, der allerdings zur Besichtigung für jedermann offen steht.
Die Kronjuwelen sind weltweit der einzige köngliche Schmuck, der für besondere Anlässe, getragen wird und der daher noch "im Einsatz" steht. Es kommt nicht selten vor, dass die Juwelen "auf Reisen gehen". Wer den Schmuck besichtigen möchte, sollte abklären, ob sich die Präziosen auch tatsächlich "zu Hause" befinden. (http://www.hrp.org.uk/TowerOfLondon).